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L-Tryptophan und 5-HTP zum Schlafen: Trend versus Evidenz

Tryptophan ist eine Aminosäure aus der normalen Ernährung, und der Körper kann daraus Melatonin bilden. Als Nahrungsergänzung werden es und das verwandte 5-HTP für besseren Schlaf angeboten. Was Studien zeigen, warum die US-Fachgesellschaft AASM bei Schlaflosigkeit abrät und welche Risiken man kennen sollte.

Fachliche Prüfung: Marek Bdžoch

L-Tryptophan ist laut CDC eine essenzielle Aminosäure, die wir normalerweise mit Eiweiß aus der Nahrung aufnehmen; manche Menschen nehmen sie als Nahrungsergänzung, etwa gegen Schlaflosigkeit. (CDC — Eosinophilia-Myalgia Syndrome, MMWR 1989) Der Körper kann daraus — wie aus dem verwandten 5-Hydroxytryptophan (5-HTP) — Melatonin bilden. Laut dem US-Institut NCCIH haben beide Präparate dämpfende Wirkungen, wie sie wirken, ist aber unklar, und Daten zu ihrer Wirkung bei Schlaflosigkeit gibt es nur sehr wenige. (NCCIH — Sleep Disorders and Complementary Health Approaches)

Dieser Artikel fasst zusammen, was die Forschung bisher gezeigt hat; er ist keine Diagnose und keine Behandlung.

Was Studien zeigen

  • Die American Academy of Sleep Medicine (AASM) rät in ihrer Leitlinie von 2017, Tryptophan bei Ein- oder Durchschlafproblemen Erwachsener nicht einzusetzen (schwache Empfehlung). Verwertbare Daten lieferte nur eine Studie, und sie zeigte keinen klinisch bedeutsamen Nutzen; mögliche Schäden könnten nach Einschätzung der Autoren den Nutzen überwiegen. (AASM guideline, J Clin Sleep Med 2017)
  • Eine zusammenfassende Analyse, die die Autoren 2021 als Kongress-Abstract vorstellten, fand mit Tryptophan weniger Wachzeit nach dem Einschlafen, aber keinen Effekt auf die Gesamtschlafdauer, die Einschlafzeit oder die Schlafeffizienz. In die gemeinsame Berechnung passten nur vier Studien. (Sutanto et al., Curr Dev Nutr 2021)
  • Zu 5-HTP und Schlaf bietet keine der zitierten Quellen überzeugende Belege; das NCCIH spricht von sehr begrenzten Daten. (NCCIH — Sleep Disorders and Complementary Health Approaches)

Sicherheit

  • 1989 beschrieb die CDC in den USA die ersten Patientinnen und Patienten mit einer neu erkannten Erkrankung — Eosinophilie und starken Muskelschmerzen —, die L-Tryptophan eingenommen hatten; die US-Behörde FDA riet damals, Produkte damit nicht mehr zu verwenden. (CDC — Eosinophilia-Myalgia Syndrome, MMWR 1989)
  • Der Ausbruch des Eosinophilie-Myalgie-Syndroms (EMS) wurde laut NCCIH auf verunreinigtes synthetisches L-Tryptophan eines einzigen Herstellers zurückgeführt. EMS ist selten, kann aber schwere, behindernde Folgen haben und sogar tödlich verlaufen. Wegen der Verwandtschaft steht auch 5-HTP unter genauer Beobachtung; Analysen mehrerer Quellen fanden keine ähnlichen Verunreinigungen. (NCCIH — Sleep Disorders and Complementary Health Approaches)
  • Das NCCIH warnt, dass L-Tryptophan zusammen mit Medikamenten, die den Serotoninstoffwechsel beeinflussen, eine lebensbedrohliche Serotonin-Toxizität auslösen kann. Wenn Sie Medikamente nehmen, sprechen Sie vorher mit Ärztin, Arzt oder Apotheke. (NCCIH — Sleep Disorders and Complementary Health Approaches)
  • Die US-Behörde FDA weist darauf hin, dass sie Nahrungsergänzungsmittel in den USA vor dem Verkauf nicht hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit zulässt, dass die Bezeichnung „natürlich“ keine Sicherheit garantiert und dass manche Präparate mit Medikamenten wechselwirken können. (FDA — FDA 101: Dietary Supplements)

Was bei Schlaflosigkeit wirkt

  • Standardbehandlung der chronischen Schlaflosigkeit ist laut AASM die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie (KVT-I). (AASM guideline, J Clin Sleep Med 2017)
  • Hausärzte können laut NHS eine KVT anbieten — mit Therapeutin oder Therapeut oder als Online-Programm. (NHS — Insomnia)

Wann zum Arzt

  • Die NHS rät zur Hausärztin oder zum Hausarzt, wenn veränderte Schlafgewohnheiten nicht geholfen haben, Sie seit Monaten schlecht schlafen oder die Schlaflosigkeit Ihren Alltag beeinträchtigt. (NHS — Insomnia)
  • Erzählen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt von allen Präparaten, die Sie nehmen — dann kann man Sie besser versorgen. (NCCIH — Sleep Disorders and Complementary Health Approaches)
  • Wenn nach einem Präparat eine unerwünschte Reaktion auftritt, setzen Sie es ab und holen Sie ärztlichen Rat ein. (FDA — FDA 101: Dietary Supplements)
  • Ein KI-Gesundheitscheck ist keine ärztliche Prüfung. Dieser Artikel ist keine medizinische Beratung.

Zum Mitnehmen

  1. L-Tryptophan und 5-HTP sind Stoffe, aus denen der Körper Melatonin bilden kann; als Präparate werden sie für den Schlaf angeboten.
  2. Belege, dass sie bei Schlaflosigkeit helfen, gibt es kaum; die AASM rät bei Schlaflosigkeit von Tryptophan ab.
  3. Der EMS-Ausbruch von 1989 und das Risiko einer Serotonin-Toxizität mit manchen Medikamenten sind Gründe zur Vorsicht.
  4. „Natürlich“ heißt nicht sicher — vor einem Präparat ärztlich oder in der Apotheke beraten lassen, vor allem bei Medikamenteneinnahme.
  5. Schlaflosigkeit seit Monaten → Hausarzt; Standardbehandlung ist die KVT-I.

Tryptophan aus normalem Essen nehmen wir jeden Tag auf — als Schlafmittel aus der Dose hat es bisher nicht überzeugt.

Unsere Quellen

Fachliche Grundlagen und weiterführende Lektüre. Die praktischen Anregungen sind redaktionelle Impulse, kein individueller Behandlungsplan.

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