Alle Menschen träumen. Laut dem US-amerikanischen NINDS verbringen wir etwa zwei Stunden jede Nacht mit Träumen, an die meisten erinnern wir uns aber nicht. Der genaue Zweck des Träumens ist unbekannt; es hilft uns möglicherweise, Gefühle zu verarbeiten. (NINDS — Brain Basics: Understanding Sleep)
Dieser Artikel erklärt, was die Forschung bisher gezeigt hat; er ist keine Diagnose und keine Behandlung.
Wann wir nachts träumen
Laut NHLBI träumen wir meist im REM-Schlaf: Die Augen zucken hinter den Lidern, das Gehirn ist ähnlich aktiv wie im Wachzustand, und die Muskeln sind erschlafft, damit wir unsere Träume nicht ausleben. Der REM-Schlaf nimmt gegen Morgen zu. (NHLBI — Sleep Phases and Stages) NINDS ergänzt, dass Träume in allen Schlafphasen vorkommen können, am lebhaftesten sind sie meist im REM-Schlaf. (NINDS — Brain Basics: Understanding Sleep)
Eine Studie in Nature Neuroscience (2017) stützte das im Labor: Freiwillige (im ersten Experiment 32 gesunde Menschen) wurden wiederholt geweckt, während ihr Gehirn mit hochauflösendem EEG gemessen wurde. Träume kamen auch außerhalb des REM-Schlafs vor. In beiden Schlafarten ging ein Traum mit weniger langsamer Aktivität im hinteren Teil der Großhirnrinde einher — die Autoren nannten diesen Bereich „heiße Zone“. In einem weiteren Experiment konnten sie anhand dieses Bereichs in Echtzeit vorhersagen, ob eine Person nach dem Wecken aus dem Nicht-REM-Schlaf einen Traum berichten würde. (Siclari et al., Nature Neuroscience 2017)
Warum wir uns meist nicht an Träume erinnern
In derselben Studie gaben Menschen manchmal an, etwas geträumt zu haben, sich aber nicht an den Inhalt zu erinnern. (Siclari et al., Nature Neuroscience 2017)
Eine andere Studie (Neuropsychopharmacology, 2014) verglich per PET Menschen, die sich oft an Träume erinnern, mit solchen, die es selten tun; 37 Personen schliefen im Scanner ein. Wer sich oft erinnert, zeigte im Schlaf und im Wachzustand höhere Aktivität in einigen Hirnregionen. Die Autoren vermuten, dass diese Menschen deshalb nachts öfter kurz aufwachen — und dass kurzes Aufwachen helfen könnte, einen Traum im Gedächtnis zu speichern. Das ist eine Hypothese, kein nachgewiesener Mechanismus. (Eichenlaub et al., Neuropsychopharmacology 2014)
Wie oft man sich an Träume erinnert, ist also von Mensch zu Mensch verschieden; die zitierten Studien beschreiben das nicht als Krankheitszeichen.
Wozu Träume gut sind
- Der genaue Zweck von Träumen ist unbekannt; Träumen hilft möglicherweise, Gefühle zu verarbeiten. (NINDS — Brain Basics: Understanding Sleep)
- Erlebnisse des Tages tauchen oft in Träumen auf, und Menschen mit Stress oder Angst haben häufiger beängstigende Träume. (NINDS — Brain Basics: Understanding Sleep)
- Keine der zitierten Quellen stützt die Deutung von Träumen mit einem Traumlexikon.
Wann zum Arzt
- Albträume sind laut NHS schlechte Träume, aus denen man aufwacht und an die man sich erinnert; Kinder und Erwachsene haben sie. Wenn Sie regelmäßig Albträume haben, die Ihren Schlaf und Alltag beeinträchtigen, gehen Sie zur Hausärztin oder zum Hausarzt; bei häufigen Albträumen kann kognitive Verhaltenstherapie (KVT) helfen. (NHS — Night terrors and nightmares)
- Der NHS rät außerdem zum Arzt, wenn eine Änderung der Schlafgewohnheiten nicht geholfen hat, Sie seit Monaten schlecht schlafen oder die Schlaflosigkeit Ihren Alltag beeinträchtigt. (NHS — Insomnia)
- Ein KI-Gesundheitscheck ist keine ärztliche Prüfung. Dieser Artikel ist keine medizinische Beratung.
Das Wichtigste
- Alle träumen, etwa zwei Stunden pro Nacht — die meisten Träume vergessen wir aber.
- Die lebhaftesten Träume kommen im REM-Schlaf, der gegen Morgen zunimmt; wir träumen aber auch in anderen Phasen.
- Im Labor ließ sich anhand einer „heißen Zone“ im hinteren Gehirn vorhersagen, ob eine Person nach dem Wecken einen Traum berichtet.
- Laut einer kleinen Studie zeigen Menschen mit häufiger Traumerinnerung andere Hirnaktivität; kurzes nächtliches Aufwachen spielt möglicherweise eine Rolle.
- Regelmäßige Albträume, die Schlaf und Tag verderben → Arzt; KVT kann helfen.
Träume gehören zu den am wenigsten erforschten Teilen der Nacht — und sich nicht an sie zu erinnern, ist völlig normal.
Unsere Quellen
Fachliche Grundlagen und weiterführende Lektüre. Die praktischen Anregungen sind redaktionelle Impulse, kein individueller Behandlungsplan.
- Brain Basics: Understanding Sleep
- How Sleep Works — Sleep Phases and Stages
- The neural correlates of dreaming (Siclari et al., Nature Neuroscience 2017)
- Resting Brain Activity Varies with Dream Recall Frequency Between Subjects (Eichenlaub et al., Neuropsychopharmacology 2014)
- Night terrors and nightmares
- Insomnia



